lautten compagney quartett BERLIN – Misterio_Biber trifft Piazzolla

Heinrich Ignaz Franz von Biber, einer der großen Violinmeister des 17. Jahrhunderts, erzählt in seinen 15 Sonaten die »Heiligen Mysterien« des Rosenkranzes in hochvirtuosen musikalischen Bildern. Die Sinnlichkeit und Ästhetik des Barock geht von der Verzückung durch den Glauben aus, der Verbindung zwischen Gott und Mensch, die damals noch stark mit der körperlichen Sinnlichkeit verbunden war – dies ist die Parallele zum Tango, der ebenfalls eine fast religiöse Ernsthaftigkeit besitzt und die körperliche Sinnlichkeit zwischen Mann und Frau zelebriert. In den Mysteriensonaten erlebt man hörbar einen Akt der Liebe durch den heiligen Geist, im Tango Nuevo Piazzollas hört man die Herzen klopfen und das Blut rauschen.
Beide Kompositionsstile erwecken Gefühle, die durch die Musik hörbar und erlebbar gemacht werden. So viele hundert Jahre liegen zwischen ihnen, und doch sind die Gefühle der Menschen die Gleichen geblieben. Mit dem Instrumentarium der Barockzeit wird der Tango noch menschlicher und lebendiger. Schon bald verfließen die Grenzen und es ist ganz egal, in welchem Stil und in welcher Zeit man sich gerade befindet.

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Das Aufeinandertreffen von Heinrich Ignaz Biber, einer Geigerlegende aus dem 17. Jahrhundert, mit Tangogott Astor Piazzolla. Zwei Seelenverwandte über drei Jahrhunderte hinweg, meinen Violinstar Julia Schröder und ihre Begleiter. Darüber mögen Musikhistoriker streiten, aber was die Musiker aus diesem Crossover quer durch die Epochen machen, wie Schröder scheinbar mühelos zwischen Barock- und moderner Geige wechselt, das ist ein Erlebnis.

Wolfgang Hübner im ND vom 03.04. 2013

 

Besetzung:

Julia Schröder – Barockvioline

Mara Miribung – Barockcello

Wolfgang Katschner – Laute / Theorbe

Gerd Amelung –   Cembalo / Orgelpositiv