Ein Scheibner Gedicht

Das Bildnis vom Herrn Zech
Herr Zech hängt im Foyer.
Er lächelt so mild und so weh.
Er sitzt auf einem Hohen Stuhl
und hat ein festliches Gefühl,
wie es niemand sonst hier empfindet:
denn Herr Zech hat die Firma gegründet.
Sein Blick so mild und blau
ruht auf der Reinmachefrau,
die schrubbend übern Marmor fährt,
den großen Hintern ihm zugekehrt.
Doch wie sie auch schrubbt und sich schindet:
Herr Zech hat die Firma gegründet.
Herr Zech in Öl gemalt
hat sich noch selbst bezahlt.
Und damals prangte linkerseits
ihm am Revers ein Hakenkreuz,
wo sich heut nur ein Fleck noch befindet.
Herr Zech hat die Firma gegründet.
Nur manchmal nachts scheint frech
der Mond ins Foyer auf Herrn Zech
und spricht zu ihm höhnisch und keck:
“ Was haben Sie denn da für ´nen Fleck?“
Was Herr Zech ganz unpassend findet.
Er hat doch die Firma gegründet.
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