Tweets aus Versailles // lautten compagney BERLIN & Franziska Troegner

Das Leben einer deutschen Prinzessin am Hofe des Sonnenkönigs

 

Elisabeth Charlotte, Prinzessin „Liselotte von der Pfalz“ (1652-1722), war Herzogin von Orléans, Schwägerin vom Sonnenkönig und echte Europäerin. In über 60.000 Briefen schrieb sie, wie heute getwittert wird: unablässig, unverblümt und rein gar nicht angepasst.

Liselotte von der Pfalz ist eine europäische Figur.
Die Prinzessin aus der Kurpfalz ist die Enkelin des »Winterkönigs« Friedrich V., der mit seiner Thronbesteigung in Böhmen den 30-jährigen Krieg heraufbeschworen hatte. Als junge Frau kommt Elisabeth Charlotte 1671 als Ehefrau von »Monsieur«, dem Bruder Ludwigs XIV. an den französischen Hof und lebt bis zu ihrem Tod an diesem glanzvollsten Hof seiner Zeit. Nach dem Tod des »Sonnenkönigs« ist sie als Mutter des Regenten Philipp von Orleans für einige Zeit die erste Dame des Staates.
Elisabeth Charlotte ist die Großmutter des deutschen Kaisers Franz I. und damit die Urgroßmutter von Joseph II. und Marie-Antoinette.

„Sagen wir es frei heraus …“

Liselotte von der Pfalz war eine leidenschaftliche Briefeschreiberin.
Wir wissen von. 60.000 Briefen, den heutigen Nachrichten in den sozialen Netzwerken nicht unähnlich, von denen ca. 6000 erhalten sind. In ihnen plaudert sie oft, manchmal lästert sie auch. Sie beobachtet genau und gelangt (vor allem in den späten Jahren) hin und wieder zu philosophischer Tiefe.
Sie beschreibt in diesen Tweets das Leben in Versailles, ihren Umgang mit dem Sonnenkönig, die Vergnügungen der Jagd und der höfischen Feste. Sie beschreibt aber auch die Konflikte mit den männlichen Mätressen ihres Ehemanns und ihren dauerhaften Streit mit der letzten Mätresse des Königs, der Madame de Maintenon. Ihre Briefe handeln von den kuriosen Gebräuchen am Königshof, von der schlechten Luft in Paris und den beschwerlichen Reisen. Lieselotte beschreibt die Sorge der Frauen um die Männer in Kriegszeiten, die Angst vor Krankheiten und (mehr noch) vor den Ärzten und beklagt bitter die Zerstörung ihrer Heimat, Heidelbergs und Mannheims, im Pfälzischen Erbfolgekrieg, die in ihrem Namen begangen worden waren. In Ihren späten Briefen lesen wir von ihren letzten Jahren mit der Erkenntnis des eigenen Alterns. Die Briefe lassen das bis heute faszinierende Leben, an dem wohl einflussreichsten Hof der frühen Neuzeit lebendig werden. Sie sind das Selbstportrait einer lebensklugen, gewitzten und selbstbewussten Frau, die die Welt um sich herum genau beobachtete und sehr genau weiß, wie sie selbst darin wahrgenommen wurde.

„Die größte Musik für den größten König, das war es, was Versailles so besonders gemacht hat!“

Musik war am Hof von Versailles allgegenwärtig. Wie alle Prinzessinnen des  18. Jahrhunderts hat auch Elisabeth Charlotte eine musikalische Ausbildung erhalten und spielte Gitarre. Wichtiger noch: Ihre Ankunft am französischen Hof fällt zusammen mit der Erschaffung der französischen Oper, der Tragédie en musique, durch Jean-Baptiste Lully. Musik von ihm, Marin Marais, Marc Antoine Charpentier u.a. treten in den Dialog mit den gelesenen Texten.

Besetzung (6):
Franziska Troegner – Lesung
lautten compagney BERLIN:

Matthias Kiesling – Traversflöte
Heidi Gröger – Viola da Gamba
Andreas Nachtsheim – Barockgitarre, Theorbe
Wolfgang Katschner – Theorbe

Coline DutilleulMezzosopran

Iris DrögekampSzenische Einrichtung

Kai WesslerBuch*, Zitate

 

Premiere: Sonnabend, 9.7.2022, 11.00 Uhr im Kornspeicher Neumühle //  Aequinox – 12. Musiktage zur Tag- und Nachtgleiche in Neuruppin

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