Für Trends hat Charly Beutin sich nie interessiert. Von Beginn an hat er immer sein Ding gemacht. Sein Ding – das war ganz am Anfang vor über 40 Jahren der Blues. Mittlerweile hat er sein musikalisches Spektrum deutlich erweitert. Zusammen mit seinem Alter Ego, dem raubeinigen, ehrlichen, direkten und herzlichen Charly Schreckschuss, mischt er seit fast einem halben Jahrhundert kräftig in der deutschsprachigen Rockmusik-Szene mit.
Bald 50 Jahre – das sollte dann ja auch langen, könnte man meinen. Meinte er vor ein, zwei Jahren auch und raffte sich zu einer Abschiedstournee durch norddeutsche Clubs auf. Aber dann passierte etwas mit ihm. So ganz genau weiß er auch nicht mehr, was es war. Die Resonanz bei den Live-Konzerten war überaus positiv. Seine Band in Hochform. Wirklich aufhören? Geht noch nicht, ist zu früh. Da ist noch Power, da ist noch Energie, da glüht noch ein Feuer. Es muss weitergehen.
Und dann geschehen Dinge um ihn herum, in Deutschland, in der Welt. Beutin alias Schreckschuss hat nie ein Hehl aus seiner Überzeugung gemacht. Haltung war für ihn eine Selbstverständlichkeit. Schon immer. Das Erstarken der AfD in Deutschland ist eines dieser Themen, das ihn nicht mehr ruhig schlafen ließ. Dann ist da dieser Mann mit dem roten Schlips und der Sturmfrisur im Weißen Haus. Der besucht Beutin in seinen Albträumen. In seinem Haus in Dänemark kann er sehen, wie der Meeresspiegel steigt. Dieses und viele weitere Themen treiben ihn um und befeuern seine Kreativität.
Und dann ist da ein gewisser Detlef Petersen, ein Nordfriese in seinem Alter, der einen Namen in der Musikszene hat. Er gründete einst die Band Lake, die in ihren frühen Jahren eine der erfolgreichsten deutschen Bands in den USA war. Es heißt, Petersen arbeitet an einem Revival von Lake. Oft sitzen die beiden bei einem guten Rotwein zusammen und besprechen die Weltlage. Als Beutin ihm vor zwei Jahren berichtete, dass er ans Aufhören denkt, sagte Petersen: „So einfach kommst du mir nicht davon. Wir machen noch ein Album.“
Das ist mittlerweile fast fertig (das Vierzehnte) die Songs sind im Kasten, aufgenommen mit den hervorragenden Musikern seiner Band (Jörg Berger, Kai Dohrenkamp, Manne Kraski, Eiko Krämer, Bernd Ohnesorge) in einem Studio in der Nähe von Husum. Neue Songs, die sich mit der Weltlage beschäftigen, aktuelle Themen, Brennpunkte des Zeitgeschehens hat Beutin in diesen neuen Songs verarbeitet.
Charly Beutin:
Es ist ein sehr persönliches Album geworden. Weil die Geschichten, die ich singe, doch alle etwas mit mir zu tun haben. Auf der anderen Seite ist es auch ein klares Statement, auf welcher Seite wir in dieser Gesellschaft stehen. Wer schon mal eine Kostprobe aus der musikalischen Schreckschuss-Küche haben möchte: Die Dummheit macht sich breit!*
*Frisch überholt und neu lackiert. So aktuell wie das Original auf „Ach, Luise“.


